Bericht in der Frankfurter Neuen Presse zum Wanderjubiläum unserer Vorsitzenden Ilse Steinhäußer
09.02.2005
Das Wandern ist Frau Steinhäußers große Lust
Arved Gintenreiter
Von Arved GintenreiterSachsenhausen. Einen neuen Rekord stellte Ilse Steinhäußer mit ihrem 70. goldenen Wanderabzeichen auf: Im Pfälzerwald-Verein ist diese Leistung so einmalig, dass nicht einmal ein Ehrenabzeichen dafür existiert. Beholfen haben sich die Wanderfreunde mit einer selbst gebastelten Urkunde. Für jedes goldene Abzeichen musste die Sachsenhäuserin im Jahr mindestens neun Wanderungen absolvieren. Daher wurde sie im Jahr 2003 bereits für ihre 1000. Wanderung geehrt. Viele Märsche jedoch sind nicht protokolliert.Erst mit 21 Jahren, als sie volljährig war, durfte die heute 78-Jährige in den Verein eintreten. Dabei ging Ilse Steinhäußer bereits im Alter von drei Jahren erstmals auf Wanderschaft. Ihre Eltern, selbst passionierte Wandersleute, nahmen sie mit über Stock und Stein. Für den Notfall hatten sie ein Tragegestell dabei. «Da haben die mich auch schon mal ein Stück des Wegs getragen», berichtet die Wanderfreudige.Schnell aber gewann sie so viel Freude am Durchschreiten der Natur, dass ihr auch langes Wandern keine Mühe mehr bereitete. Im Jahr 1929, im Alter von fünf Jahren, erwanderte sie sich das erste goldene Abzeichen. An der Ehrung schien die kleine Ilse Geschmack gefunden zu haben. Von da an sammelte sie das Gold im Jahresrhythmus.Zweifel an ihrer Wanderleistung lässt Frau Steinhäußer erst gar nicht aufkommen. Systematisch hat sie alle Touren protokolliert. Ein nicht kleiner Stapel Tabellen, unzählige Wanderpläne und eine Tüte voll Abzeichen haben sich dabei über die Jahre angehäuft. So marschierte die Kleine, bald Jugendliche durch die Dreißiger und Vierziger Jahre.Selbst in Kriegszeiten ließ sie sich von ihrer Leidenschaft nicht abhalten - bis 1944. Fröhlich marschierte sie mit einer Gruppe über die Rosenhöhe bei Offenbach, als die Jungen und Mädchen plötzlich Tiefflieger der Alliierten kommen sahen. «Wir versteckten uns im Gebüsch, und die Flugzeuge donnerten schießend über unsere Köpfe hinweg, nahmen Kurs auf Frankfurt», erinnert sie sich. Die Jugendlichen kamen mit dem Schrecken davon, beschlossen aber, vorerst keine weiteren Touren zu unternehmen.Erst im Jahr 1947 bot der Verein wieder Ausflüge an. Zunächst eine, im folgenden Jahr fünf und dann gab es mit zwölf Wanderungen wieder das volle Programm. Ilse Steinhäußer ließ nicht eine davon aus und erwarb sich folgerichtig nach fünfjähriger Pause die 15. goldene Ehrennadel. Nur wenige Jahre später, 1953, wurde sie Beisitzerin im Vorstand der Frankfurter Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins.«Ich bin da ganz plötzlich reingerutscht», meint die 78-Jährige. Kurz darauf übernahm sie den Vorsitz selbst und ist bis heute Chefin der Frankfurter Abteilung, die heute 120 Mitglieder zählt - seit über 50 Jahren. «Ich wollte im vergangenen Jahr aufhören, aber leider hat sich für die Arbeit niemand gefunden.»Trotz ihres Amtes lässt Ilse Steinhäußer auch heute noch keine Wanderung ausfallen, sofern sie gesund ist. Für das Jahr 2004 bestätigt die Statistik: 14 Ganztageswanderungen, eine Wanderwoche mit vier protokollierten Märschen und zehn kürzere Seniorenspaziergänge hat sie bewältigt. Auf den Tageswanderungen wird eine lange Strecke über rund 20 Kilometer angeboten und als Alternative eine kurze von rund sieben Kilometern.Auch wenn sie die Strapazen der langen Touren allmählich spürt. «Vor allem wenn es bergauf geht, fange ich ein wenig an zu schnaufen.» Doch auf der Kurzstrecke ward Frau Steinhäußer bisher nicht gesehen. Ohne ihre Fußmärsche kann die rüstige Rentnerin nicht leben. «Einen Teleskopstock habe ich mir jetzt zur Unterstützung gekauft», erzählt sie schmunzelnd. Die Wanderhilfe erstand sie im Urlaub. In der Schweiz - natürlich beim Bergwandern. Die traditionelle Holzversion mit bunten Plaketten schlug sie aus. Ilse Steinhäußer wandert lieber inkognito - und das sehr erfolgreich.
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